ENPOR IN KURZFORM

Energiearmut ist ein kritischer Faktor für eine faire Energiewende und ist in Europa aufgrund steigender Energiekosten und langsamer Fortschritte bei der Verbesserung der Energieeffizienz nach wie vor auf einem hohen Niveau.

Die Milderung der Auswirkungen im privaten Mietsektor ist eine Herausforderung aufgrund der Schwierigkeit:

  • energiearme Haushalte im Sektor zu identifizieren und quantifizieren,
  • diese Haushalte mithilfe von Energieeffizienzmaßnahmen zu unterstützen, aufgrund von strukturellen Problemen wie Informationsdefiziten, unterschiedlichen Anreizen für Mieter*innen und Eigentümer*innen usw.

ENPOR zielt daher darauf ab, beide Herausforderungen zu überwinden – Energiearmut im privaten Mietsektor sichtbar zu machen und auch Programme und Maßnahmen zur Förderung von Energieeffizienz zu testen, um sie zu mildern. Das Projekt erhöht die Fähigkeit von Entscheidungsträger*innen, die Auswirkungen von Energiearmut zu verstehen und abzuschwächen, indem es zehn verschiedene Maßnahmen in 7 Ländern konzipiert und umsetzt.

Definition(en)

Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass etwa zwei Milliarden Menschen weltweit von Energiearmut betroffen sind. Daten der EU Beobachtungsstelle für Energiearmut (Energy Poverty Observatory) zeigen, dass die geschätzte Zahl der energiearmen Personen in der Europäischen Union zwischen 50 und 125 Millionen Menschen liegt. Energiearmut wird allgemein als ein Zustand von Haushalten verstanden, indem sie nicht in der Lage sind ein angemessenes Niveau an Energiedienstleistungen zu einem leistbaren Preis zu erreichen. Sie wird durch die Interaktion von drei Faktoren verursacht:

  • geringes Einkommen
  • hoher Energiebedarf (aufgrund von energieineffizientem Wohnraum)
  • hohe Energiekosten

Auf EU-Ebene führte die Europäische Kommission im dritten Energiepaket 2009 das Konzept der Energiearmut ein, überließ aber die letztendliche Verantwortung den einzelnen Mitgliedstaaten.

Auch wenn die Anzahl der Staaten, die Energiearmut formal in ihrer Gesetzgebung und Politik anerkennen, stetig zunimmt, hat die Mehrheit der Mitgliedstaaten nach wie vor keine offizielle Definition für Energiearmut und viele politische Entscheidungsträger*innen haben Probleme damit das mehrdimensionale Konzept von Energiearmut zu verstehen.

Eines der Ziele von ENPOR ist es eine klare und einvernehmliche Definition für Energiearmut in den privaten Mietsektoren der EU zu erreichen, die über das Denken von Energiearmut als Funktion von Einkommen und Energieeffizienz hinausgeht und strukturelle Faktoren berücksichtigt, die in der politischen Debatte oft vernachlässigt und nicht ausreichend in die Politikgestaltung einbezogen werden, die aber erhebliche Lock-in-Effekte verursachen.

Die Mitgliedstaaten sollten indikative Ziele in Verbindung mit relevanten Zielgruppen,  politischen Maßnahmen sowie mögliche Finanzierungsquellen identifizieren, um Energiearmut zu verringern: ENPOR trägt zu diesen Bemühungen bei, indem es Daten sammelt, ein Energiearmuts-Dashboard erstellt, um Energiearmut im privaten Mietsektor zu identifizieren und zu monitoren, maßgeschneiderte Maßnahmen entwirft und eine gut dokumentierte Umsetzung mit veröffentlichten Leitlinien für die Replikation der Maßnahmen in der gesamten EU vornimmt. Das Ziel dabei ist es, einen gemeinsamen Mess- und Monitoringrahmen zu entwickeln, der zu auf nationaler Ebene anwendbaren Definitionen von Energiearmut führt.

Energiearmut im privaten Mietsektor

Die Kernzielgruppe von ENPOR sind energiearme Haushalte im privaten Mietsektor, die oft mit einer Kombination aus stagnierenden niedrigen Einkommen, steigenden Brennstoff- und Strompreisen und nicht energieeffizienten Wohnanlagen und technischen Geräten konfrontiert sind.

Ziele von ENPOR

  • Vertiefung des Verständnisses für Energiearmutsstrategien für den privaten Mietsektor – ENPOR untersucht, bewertet und synthetisiert 30 Energieeffizienzmaßnahmen, die die Energiearmut im privaten Mietsektor in der gesamten EU bekämpfen, um die Faktoren besser zu verstehen, die Investitionen in Energieeffizienz auslösen oder verhindern.
  • Monitoring der Dimensionen von Energiearmut im privaten Mietsektor – DasENPOR Energiearmuts-Dashboard wird die geografische Dimension der Energiearmut im privaten Mietsektor aufdecken und dabei helfen, die Auswirkungen von Energieeffizienzmaßnahmen auf Energiearmut, einschließlich ihrer versteckten Formen, zu erkennen, zu quantifizieren und zu überwachen. Auf diese Weise werden die verschiedenen Aspekte der Armut im privaten Mietsektor und ihre Verbindungen zu Geschlecht und anderen sozialen Faktoren untersucht, um geeignete Instrumente zur Linderung von Energiearmut als Ergebnis spezifischer politischer Maßnahmen zu definieren.
  • Unterstützung des Aufbaus und der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen zur Bekämpfung von Energiearmut im privaten Mietsektor – ENPOR unterstützt die Umsetzung von zehn Energieeffizienzstrategien und -maßnahmen zur Bekämpfung von Energiearmut im privaten Mietsektor in sieben Mitgliedstaaten, um die gegensätzlichen Anreize von Mieter*innen und Eigentümer*innen und Lock-in-Barrieren auf der Grundlage von Erkenntnissen aus früheren Programmen zu bekämpfen. Eine strukturierte Plattform zum Wissensaustausch und Leitlinien für andere Länder (Organisation von Veranstaltungen für Kommunen, Energieagenturen und energiearme Mieter*innen und deren Vermieter*innen) sind vorgesehen.

Die (politischen) Maßnahmen sind aufgegliedert in:

  • Zuschüsse für Gebäudesanierungen, einschließlich Heizsystemwechsel und Umstieg auf erneuerbare Energie;
    • Training und Information;
    • Sanfte Maßnahmen; und
    • Programmunterstützende Maßnahmen, einschließlich Leitlinien zur leichteren Identifikation von Energiearmut.

Was sind die REACT-gruppen?

Regional Energy Action (REACT)-Gruppen werden auf der Grundlage von Strategien zur Einbindung von Stakeholdern geschaffen, mit dem Ziel, die ENPOR-Maßnahmen mitzugestalten, Erkenntnisse zu diskutieren, Monitoringdaten bereitzustellen und die Annahme der Maßnahmen durch Haushalte, Vermieter*innen und weitere Marktteilnehmer*innen zu fördern.

Die Mitglieder der REACT-Gruppen sind diejenigen Organisationen, die in der Wertschöpfungskette der Energieffizienz involviert sind (von Ministerien bis hin zu Haushalten), und zu Lösungen beitragen können.