ENPOR IN KURZFORM

Energiearmut ist ein kritischer Faktor für eine faire Energiewende und ist in Europa aufgrund steigender Energiekosten und langsamer Fortschritte bei der Verbesserung der Energieeffizienz nach wie vor auf einem hohen Niveau.

ENPOR zielt daher darauf ab, beide Herausforderungen zu überwinden – Energiearmut im privaten Mietsektor sichtbar zu machen und auch Programme und Maßnahmen zur Förderung von Energieeffizienz zu testen, um sie zu mildern. Das Projekt erhöht die Fähigkeit von Entscheidungsträger*innen, die Auswirkungen von Energiearmut zu verstehen und abzuschwächen, indem es zehn verschiedene Maßnahmen in 7 Ländern konzipiert und umsetzt.

Maßsnahmen für die Milderung von Energiearmut

Die deutsche Bundesregierung betrachtet Energiearmut nicht als eigenes Problem, sondern behandelt sie im Rahmen ihres umfassenderen Ansatzes der Armutsbekämpfung durch sozialstaatliche Maßnahmen. Die Heizkosten von Sozialhilfeempfängern werden in vollem Umfang vom Staat übernommen, soweit sie angemessen sind (vgl. § 22 Absatz 1 SGB II und § 35 Absatz 4 SGB XII). Demgegenüber sind die Zuschüsse zu den Stromkosten als variabler Pauschalbetrag (je nach Haushaltsgröße und -zusammensetzung) in der Transferleistung, dem so genannten „Regelbedarf“, enthalten (vgl. §20 (1) SGB II und §27a (2) SGB XII). Eine Analyse der Verbraucherzentrale hat jedoch gezeigt, dass die zweckgebundenen Budgets innerhalb des „Regelbedarfs“ nicht ausreichen, um den Grundbedarf an Strom (insbesondere bei elektrischer Warmwasserbereitung5) zu decken. Hinzu kommt, dass Haushalte oberhalb der Anspruchsgrenze (d.h. erwerbstätige Arme) keinen Zugang zu diesen Leistungen haben. Dies hat zur Folge, dass trotz hoher Hürden für die Energieversorger im Jahr 2019 rund 289.000 Stromabschaltungen zu verzeichnen sind. Es gibt zwar kein Bundesprogramm zur Bekämpfung der Energiearmut, aber die Regierung unterstützt finanziell nichtstaatliche Akteure wie den Verbraucherverband oder die Caritas, die einkommensschwachen Haushalten Energiesparberatung anbieten.

Energiearmut ist ein kritischer Faktor für eine faire Energiewende und ist in Europa aufgrund steigender Energiekosten und langsamer Fortschritte bei der Verbesserung der Energieeffizienz nach wie vor auf einem hohen Niveau. Die Milderung der Auswirkungen im privaten Mietsektor ist eine besondere Herausforderung für Kommunen aufgrund der Schwierigkeit:

  • energiearme Haushalte im Sektor zu identifizieren,
  • diese Haushalte mithilfe von Energieeffizienzmaßnahmen zu unterstützen.

Das ENPOR Projekt (www.enpor.eu) zielt daher darauf ab, beide Herausforderungen zu überwinden. Das Projekt erhöht die Fähigkeit von Entscheidungsträger*innen, die Auswirkungen von Energiearmut zu verstehen und abzuschwächen, indem es zehn verschiedene Maßnahmen in 7 Ländern konzipiert und umsetzt. In Deutschland ist der StromSparCheck (https://www.stromspar-check.de/) so eine Maßnahme. Es ist ein kostenfreies Beratungsangebot der Caritas und des eaD für Sozialleistungsempfänger*innen (ALG II, Sozialhilfe oder Wohngeld) und Haushalte mit niedrigen Einkommen, bei dem neben Tipps zur sparsamen Stromverwendung auch technische Stromsparsoforthilfen wie z.B. LEDs, Schaltbare Steckerleisten oder Zeitschaltuhren ausgegeben werden. An verschiedenen Standorten erfolgt zudem seit einiger Zeit auch eine wärmebezogene Beratung, bei der neben der Ausgabe von Soforthilfen wie Heizungsthermostatclips, Türbesen und Dichtungsband zukünftig auch vermehrt visuelle Hilfsmittel zur Vermittlung von Beratungsinhalten im Bereich Heizen und Lüften zum Einsatz kommen (s. Bild).

Bei einem ersten Hausbesuch stellen die Energieberater den Kunden ein Thermohydrometer als Soforthilfe für die Überwachung des Raumklimas zur Verfügung. In einem standardisierten Erfassungsbogen erfassen sie mögliche Probleme, technische Daten zum energetischen Zustand der Wohnung und der Heizungsanlage, den Energie- und Warmwasserverbrauch, aber auch Informationen zum beratenen Haushalt. Die Heizkostenabrechnungen liefern wichtige Informationen, um Einsparpotenziale zu identifizieren. Die beratenen Haushalte werden gebeten, diese Abrechnungen zur Verfügung zu stellen, aber oft sind sie nicht vorhanden. Die Kommunikation, insbesondere zu Beginn, konzentriert sich stark auf die technischen Gegebenheiten und mögliche Probleme. Die Informationen werden in einer zentralen Datenbank gesammelt und von den Energieberatern ausgewertet. Die Ergebnisse werden den Haushalten bei einem zweiten Haushaltsbesuch eine Woche später vorgestellt und bilden die Grundlage für individuelle Beratungsstrategien, die auch die weitere Bereitstellung von Soforthilfen wie Dichtungsband, Zugluftstopper oder wassersparende Duschköpfe beinhalten können. In einigen Fällen kann ein dritter Haushaltsbesuch durchgeführt werden und bietet die Möglichkeit, die Beratungswirkung in Form von erzielten Heizenergieeinsparungen zu überprüfen. Aufgrund des erheblichen Aufwandes und vor dem Hintergrund der mangelnden Deckung dieser Kontrollbesuche durch die Projektmittel werden sie jedoch nur unregelmäßig durchgeführt.

Die Mitgestaltung in den REACT-Gruppen half, neue Ansätze zur Verbesserung der Datenbasis zu identifizieren, um Einsparpotenziale besser zu identifizieren und die Auswirkungen der Heizungsberatung zu überwachen und deren Wirksamkeit zu erhöhen. Infolgedessen wurde beschlossen, in der Kommunikation mehr Gewicht auf den Komfort und bis zu einem gewissen Grad auch auf die gesundheitlichen Vorteile zu legen und die Beratungsinhalte durch visuelle Hilfsmittel zu unterstützen und zu verstärken, von denen einige ein besseres Verständnis und die Selbsterfahrung einer angemessenen Raumlüftung für das Innenraumklima ermöglichen und andere als Erinnerungshilfen für angepasste Heiz- und Lüftungspraktiken dienen. Darüber hinaus wurde die Bereitstellung zusätzlicher Low-Tech-Soforthilfen zur besseren Überwachung des Warmwasserverbrauchs beschlossen. Es wird erwartet, dass durch diese Maßnahmen Zielgruppen, die wenig Interesse und Hintergrundwissen für das Thema Heizen mitbringen oder Schwierigkeiten haben, das Thema zu erfassen, ein besseres Verständnis erlangen und durch Illustrationen, Piktogramme, Erinnerungshilfen und Gamification motiviert werden, ihr Verhalten zu ändern und anzupassen und energieeffiziente Routinen zu etablieren. Dies kann auch dazu dienen, sprachliche Hürden leichter zu überwinden.